Kreuzbund: Selbsthilfe- und Helfergemeinschaft für Suchtkranke und Angehörige.  -  www.kreuzbund-kaarst.de
(Bild: 3 Affen)

Co-Abhängigkeit

Suchtkranke haben Angehörige

Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen ist nicht nur der Suchtkranke allein betroffen, sondern immer auch sein soziales Umfeld: Partner, Kinder, Eltern, Freunde und Arbeitskollegen.

Co-Abhängigkeit ist auch eine Krankheit
Co-Abhängigkeit ist ein Krankheitsbild, das sich als Beziehungsstörung ausdrückt und unabhängig von der stoffgebundenen Abhängigkeit eines anderen Menschen existiert.
Sehr häufig wird diese eigenständige Störung erst im Zusammenleben mit einem suchtkranken Menschen deutlicher sichtbar, denn das Miterleben einer akuten Suchterkrankung und das Mitleiden kann für Angehörige von Suchtkranken ausserordentlich belastend sein.
Hier gibt es sicher sehr unterschiedliche Ausprägungen, ebenso wird die Behandlungs-bedürftigkeit individuell unterschiedlich sein. Nicht alle Angehörigen entwickeln eine be- handlungsbedürftige Co-Abhängigkeit, aber alle Co-Abhängigen bedürfen eines speziell auf ihre Problematik hin abgestimmten Behandlungsangebots.

Co-Abhängigkeit ist auch Beziehungsstörung
Co-Abhängige unterstützen ihre Partner bis zur eigenen Selbstaufgabe. Sie sind nicht in der Lage, die Aussichtslosigkeit ihres Verhaltens zu bewerten und sich entsprechend zu verhalten. Dies kann so weit führen, dass Co-Abhängige sich selbst nicht mehr fühlen und wahrnehmen - zumindest in der Beziehung zum Süchtigen, oft aber auch darüber hinaus.

Co-Abhängigkeit in anderen Beziehungen
Nicht nur Partner und Kinder von suchtkranken Menschen können Co-Abhängigkeit entwickeln. Gefährdet sind auch Menschen mit einer familiären oder beruflichen Beziehung zu emotional und / oder geistig gestörten Persönlichkeiten. Das können sowohl Ärzte, Therapeuten, Fachkräfte in Pflege, wie auch Eltern von verhaltensauffälligen Kindern etc. sein.

Ätiologie
Die dysfunktionale Familie ist gekennzeichnet durch starre und extreme Rollenzuschreibungen. Dies ist für alle Familienmitglieder Voraussetzung um in einer länger anhaltenden, belastenden und schmerzlichen Familiensituation bestehen zu können. Die Rollenzuschreibungen entwickeln sich langsam und unmerklich. Die Übernahme einer bestimmten Rolle ist Abwehrmechanismus gegen den emotionalen Schmerz.

Aussenorientierung
Co-Abhängige geben sich in der Beziehung zum suchtkranken Partner selbst auf. Sie sind bestrebt alles für ihn zu regeln, zu organisieren und übernehmen Aufgaben, die dieser selbst übernehmen müsste (und kann). Das führt soweit, dass Co-Abhängige sich ohne den Suchtkranken als Nichts empfinden. Es entstehen Klammerbeziehungen: Der eine kann ohne den anderen nicht mehr existieren, Abgrenzung wird unmöglich. Co-Abhängige können nur "nach-fühlen", was der Abhängige fühlt; eigene Gefühle werden nicht oder nur verzerrt wahrgenommen. Nach aussen wird versucht, das Bild der "heilen" Familie zu vermitteln und aufrechtzuerhalten. Dabei wird die Realität als solche nicht wahrgenommen, und infolgedessen ist eine kritische Reflektion der Situation unmöglich.

Übertriebene Fürsorge
Im familiären Kontext machen sich Co-Abhängige unentbehrlich. Sie sind von der zwanghaften Vorstellung geleitet, stets helfen zu müssen. Dazu kommt ein gewisses Märtyrer-Gefühl: Wenn ich mich nur genug aufopfere, kann ich den Suchtkranken retten. Auch wenn sie dabei längst am Ende ihrer Kräfte sind, werden Co-Abhängige sich dies nicht eingestehen. Sie halten sich selbst für den Mittelpunkt der Welt. Sie wollen alles - auch die Gefühle - unter ihre Kontrolle bringen und merken nicht, dass sie keinen Kontakt mehr zu den eigenen Gefühlen haben. Sie sehen sich so, wie sie meinen, sein zu müssen. Ihre "verborgenen" Gefühle werden zur Überlebensstrategie.

Unehrlichkeit und Leichtgläubigkeit
Co-Abhängige verstricken sich mitunter in ein Netz von Lügen, mit denen sie ein falsches Bild (nett, einfühlsam, rechtschaffen, korrekt etc.) von sich selbst erzeugen. Dabei ist ihnen ihre Unehrlichkeit - sich selbst und anderen gegenüber - nicht bewusst. Das bewirkt, dass die Realität zunehmend verzerrter gesehen wird. Sie nehmen nur wahr, was sie sehen und hören wollen. Aus Angst vor Kontrollverlust haben sie ein starres Weltbild und neigen zur Rechthaberei.

Was können Sie tun ?
Fachliche Hilfen für Angehörige / Co-Abhängige und Frühintervention durch Ärzte und Therapeuten sind immer auch präventive Massnahmen: sie können erheblich dazu beitragen, den sich oft über Generationen fortsetzenden Sucht-Kreislauf in Familien zu durchbrechen ! Co-Abhängigkeit kann - wie die Erfahrungen der Selbsthilfegruppen zeigen - zum Stillstand gebracht werden.

Je früher Co-Abhängige mit dem Hilfesystem Kontakt aufnehmen, desto grösser werden die Chancen auf einen dauerhaften Erfolg von Therapie sein.

Familienangehörige (Partner wie Kinder) müssen grundsätzlich in die Entwöhnungsbehandlung der medizinischen Rehabilitation einbezogen werden, sowohl im ambulanten als auch im stationären Bereich. Dabei ist wichtig, dass Angehörige nicht nur zur Stabilisierung des Suchtkranken mitbehandelt werden, sondern auch konkrete Hilfen für sich selbst erfahren.

Als weitere wichtige Methode der Hilfe ist die Gruppenarbeit der Sucht-Selbsthilfegruppen anzusehen.

Die Gruppen leben davon, dass ihre Mitglieder von sich und ihren Erfahrungen berichten, von ihrem Kampf, ihrer Unsicherheit, ihren Erfolgen. Suchtmittelabhängige und Angehörige erfahren, dass sie mit ihren Suchtproblemen bzw. der Co-Abhängigkeit nicht allein sind. 

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