Kreuzbund: Selbsthilfe- und Helfergemeinschaft für Suchtkranke und Angehörige.  -  www.kreuzbund-kaarst.de
(Bild: Lebenskrise)

Lebenskrisen meistern

Entdecken Sie das Prinzip der Resilienz. Und machen Sie was daraus !

Sie kennen das Wort „Resilienz“ nicht? Dann sind Sie in guter Gesellschaft: Selbst der Duden kennt das Wort nicht. Macht auch nichts. Hauptsache, Sie verfügen über die damit gemeinte innere Kraft, die Ihnen hilft, Krisen zu bewältigen. Psychologen aus den US haben sich dieses Themas bereits vor einigen Jahren angenommen und die Bedingungen untersucht, unter denen Resilienz entsteht. Inzwischen findet das Thema Resilienz auch in Deutschland zunehmend Beachtung. Die gute Nachricht vorab: Resilienz kann jeder Mensch in jedem Lebensalter aufbauen.

Der Unterschied zeigt sich in der Krise

Sie kennen es aus eigenem Erleben im Freundes- oder Familienkreis: Da gibt es Menschen, denen selbst wirdrige Umstände wie z.B. eigene Krankheit, Beziehungsdramen, Tod von Angehörigen, Unfälle und Verletzungen oder Arbeitsplatzverlust kaum etwas anhaben können. Sie leiden unter solchen Ereignissen wie jeder andere Mensch auch, aber sie zerbrechen nicht an Ihnen, sondern gehen oft sogar gestärkt aus diesen Lebensphasen hervor. Es handelt sich um resiliente Menschen. Dann wieder gibt es Menschen, die aus der Bahn geworfen werden, sobald etwas nicht den gewohnten Gang geht und Krisen das Leben überschatten. Diese Menschen können das Prinzip der Resilienz für sich entdecken und nutzbar machen.

Resilienz fördern

Das englische Wort Resilience bedeutet wörtlich übersetzt Elastizität, Spannkraft, und steht für jene innere Haltung, die den beinahe ausgezählten Boxer wieder aufstehen, seine Taktik ändern, erneut angreifen und vielleicht am Ende doch noch gewinnen lässt. Doch wie kommt diese Haltung, diese Lebenseinstellung zustande? Und wie kann man sie fördern? Mitglieder der amerikanischen Psychologenvereinigung American Psychological Association haben das Phänomen gründlich untersucht. Die Forscher benennen zehn Wege, um Resilienz aufzubauen. Diese Wege können Sie für sich gehen, ausprobieren. Sie können aber auch anderen helfen, diese Wege zu entdecken – in der Familie, unter Freunden, am Arbeitsplatz. Streng genommen handelt es sich weniger um Wege als vielmehr um Bausteine, die zusammengefügt das Komplettbild der Resilienz liefern.

Jeder Zeitpunkt ist der Richtige

Resilienz lässt sich in jedem Lebensalter fördern. Zwar ist es am günstigsten, wenn Resilienz sich innerhalb der ersten zehn Lebensjahre auf natürliche Weise, z.B. in einem zugleich liebevollen und starken familiären wie schulischen Umfeld entwickeln kann, doch lassen sich Wege zur Resilienz auch im Erwachsenenalter erschliessen, Bausteine jederzeit zusammenfügen. Man muss einfach nur an sich glauben. Und dann die Sache beherzt anpacken. Wenn es nötig ist, auch mit professioneller psychotherapeutischer Hilfe.

Baustein 1 - Beziehungen knüpfen

Es gibt nichts Schlimmeres, als in einer Lebenskrise allein zu sein. Ein eng gefügtes, funktionierendes Netzwerk sozialer Kontakte gibt Ihnen Halt und Unterstützung in Krisensituationen. Neben der Familie und dem Freundeskreis können das Engagement in gemeinnützigen Organisationen oder gemeinsam mit anderen Menschen ausgeübte Hobbies Ihnen solchen Halt geben. Auch die Einbindung in Kirchen, Vereine und Nachbarschaften kann sinnvoll sein – je grösser und vielschichtiger das Netzwerk geknüpft ist, desto wahrscheinlicher besteht es in der Krise eine Zerreissprobe. Auch der Arbeitsplatz erweist sich oft als echter sozialer Fixpunkt von grossem Wert. Allerdings nimmt hier auch manche Krise ihren Ursprung. Und die Aussicht auf Arbeitsplatzwechsel im Kollegenkreis kann die Sicherheit mitunter etwas relativieren.  

Baustein 2 - Krisen nicht als unüberwindbar ansehen

Ob am Arbeitsplatz, in der Beziehung oder im Familienkreis: Krisen lassen sich nicht immer vermeiden. Aber nehmen Sie eine Krise wie z.B. das Ende einer Ehe nie als absoluten Endpunkt wahr; versuchen Sie stets, über die unmittelbare Gegenwart hinauszuschauen und sich vorzustellen, wie die Dinge sich für Sie in Zukunft besser entwickeln können. Je konkreter Ihre Vorstellungen, desto besser.

Baustein 3 - Den Wandel akzeptieren, flexibel bleiben

Veränderungen gehören zum Leben – Leben ist Verränderung. Und nicht jede Veränderung können Sie aufhalten. Das bedeutet zum Beispiel, dass Sie bei Erkrankung des Lebenspartners oder der besten Freundin Ihre gemeinsamen Ziele nicht unter allen Umständen weiterverfolgen können. Lassen Sie Ihren Gefühlen ruhig freien Lauf. Geben Sie Ihrem Fühlen Raum, leiden Sie mit, seien Sie zornig oder traurig. Aber werden Sie nicht verbittert. Konzentrieren Sie sich stattdessen auf solche Dinge, die Sie ändern können.

Baustein 4 - Probleme mit Entschiedenheit angehen

Ärger mit Kollegen, Frust im Bett? Die Hoffnung, dass Probleme sich durch Abwarten von allein erledigen, ist meistens trügerisch. Oft verschärfen Probleme sich sogar, wenn man sie zu ignorieren versucht. Das gilt in der Firma ebenso wie im persönlichen Umfeld. Deshalb: Gehen Sie mit Entschiedenheit zur Sache. Und keine Angst vor falschen Entscheidungen – die einzige falsche Entscheidung wäre die, nichts zu unternehmen.

Baustein 5 - Dranbleiben

Eine Gesundheitskrise droht, weil Sie jahrelang nicht auf Ihr Gewicht geachtet haben. Jetzt wollen Sie abspecken und mehr für Ihre Gesundheit tun. Wenn Sie eine solche Entscheidung, die Sie aus der drohenden Krise herausführen soll, getroffen haben, verfolgen Sie die Umsetzung mit aller zu Gebote stehenden Kraft. Das kann sich auch als Politik der kleinen Schritte vollziehen. Hauptsache, Sie bleiben dran und arbeiten kontinuierlich an der Erreichung Ihrer Ziele. Bleiben Sie flexibel. Und achten Sie darauf, dass Ihre Pläne realistisch bleiben.

Baustein 6 - Gewinnbilanz ziehen

Sie haben ein nervenaufreibendes Beziehungsdrama hinter sich? Beobachten Sie, wie krisenhafte Ereignisse und überstandene Kämpfe sich auf Sie auswirken. Auch wenn Sie mal einen Kampf verlieren, werden Sie hinterher feststellen, dass Sie eigentlich doch auf mancherlei Weise gewonnen haben: neue Einsichten, Erkenntnisse, Erfahrungen. Vielleicht sogar neue Freundschaften und verbesserte Beziehungen zu bestimmten Menschen. Ziehen Sie öfter mal Zwischenbilanz, achten Sie auf positive Zeichen – das alles stärkt Ihr Selbstwertgefühl, verschärft Ihre Wahrnehmungsfähigkeit und macht Lust aufs Leben.

Baustein 7 - ein positives Selbstbild entwerfen

Es hat nichts mit Selbstüberschätzung zu tun, wenn Sie sich bemühen, ein möglichst positives Bild Ihrer selbst zu entwerfen – vorausgesetzt, es bleibt realistisch. Schauen Sie sich Ihr Leben an und prüfen Sie Ihre Fähigkeiten, mit Problemen umzugehen – wo liegen Ihre Stärken, was schätzen andere in Krisensituationen an Ihnen? Vertrauen Sie Ihren eigenen Stärken.

Baustein 8 - Die Ruhe bewahren

Panikmacher sind ebenso schlechte Ratgeber wie Schönredner. Die beste Regel zur Berteilung einer Krise ist die: Versuchen Sie mit klarem Verstand die Zusammenhänge zu analysieren und zu verstehen. Denken Sie an ein Schiff auf hoher See bei aufkommendem Unwetter: Aus welcher Richtung kommt der Sturm, kann man ihm noch ausweichen, wie lässt das Schiff sich sichern, drohen weitere Gefahren durch Untiefen, nahe Klippen, verrutschende Ladung? Manche Dinge ereignen sich zufällig, andere infolge einer langen Kette vorangegangener Ereignisse – ändern lässt sich nichts mehr, wenn es erst einmal geschehen ist. Aber vielleicht kann man für die Zukunft lernen. Vor allem aber sollten Sie sofort damit beginnen, Perspektiven zu entwickeln, die über die Krise hinausweisen. Das heisst nicht, dass Sie keine Gefühle zulassen dürfen – im Gegenteil.

Baustein 9 - Dem Prinzip Hoffnung folgen

Stellen Sie sich möglichst konkret vor, wie die Dinge sich zum Guten wenden werden. Dann werden Sie auch offen und aufnahmebereit sein für früher oder später kommende gute Erfahrungen, schöne Ereignisse. Geben Sie hingegen Ihren Ängsten allzu viel Raum, dann lassen Sie es zu, dass die hinter den Ängsten stehenden Möglichkeiten Wirklichkeit werden. Wenn Sie z.B. die ganze Zeit nur daran denken, dass Sie Ihren Job verlieren könnten, werden Sie irgendwann unaufmerksam werden und Fehler machen, die Sie wirklich den Job kosten können.

Baustein 10 - Geben Sie Acht auf sich

Gerade in Krisensituationen neigen Menschen dazu, zu viel von sich selbst zu fordern. Erkennen und akzeptieren Sie Ihre Grenzen. Schaffen Sie mitten im Wirbel Zonen der Ruhe, die unantastbar sind. Das können gemeinsame Meditationen sein, einsame oder gemeinsame Spaziergänge am Meer, Unternehmungen im Freundeskreis, tiefes Durchatmen im Rahmen eines Wellness-Wochenendes – Hauptsache, Sie verschaffen sich Luft. Es tut immer gut, Distanz zur Krise zu bewahren – ob während einer Krise oder hinterher: Notieren Sie Ihre Gefühle, Beobachtungen. Sie werden feststellen, dass das schriftliche Festhalten Abstand schafft und so etwas sein kann wie der Stempel mit dem Aufdruck „Erledigt“.

Kindern helfen, Resilienz aufzubauen

Die zehn Bausteine dienen nicht nur als Wegmarken für ein reflektierendes Lernen im Erwachsenenalter, sie können Eltern und Lehrern auch helfen, einen erzieherischen Rahmen zu gestalten. Jeder dieser Bausteine lässt sich auf kindliche Verhältnisse und Bedürfnisse übertragen: Freunde finden, Selbstvertrauen und Mut entwickeln, Veränderungen akzeptieren, Pläne konsequent verfolgen, im Krisen- oder Konfliktfall die Ruhe bewahren, Problemlösungen im Gespräch angehen. Räumen Sie Ihren Kindern nicht jeden Stein aus dem Weg, sondern machen Sie ihnen vor, wie man aus Steinen Treppen bauen kann. Denn Eltern und Erzieher sollten den ihnen anvertrauten Kindern das Prinzip der Resilienz selbst vorleben. Nichts prägt so sehr, wie verlässliche Vorbilder. Machen Sie Ihre Kinder stark!     

 

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