Kreuzbund: Selbsthilfe- und Helfergemeinschaft für Suchtkranke und Angehörige.  -  www.kreuzbund-kaarst.de
(Bild: Aktion gegen kontrolliertes Trinken)

Aktion gegen 'kontrolliertes' Trinken

V O R S I C H T  !!!

IAB. In jüngster Zeit wird von verschiedenen Seiten 'kontrolliertes Trinken' propagiert. Renommierte Zeitschriften berichten darüber, ein auf dem Gebiet der Suchtproblematik bekannter Author widmet diesem Thema eine eigene Website, und sogar manche Ärzte und Therapeuten vertreten diese Theorie.

Um es gleich vorweg zu nehmen - wir sprechen uns gegen derartige Ansätze
    aus !
Mehr noch, wir halten es für gefährlich, solche Theorien zu verbreiten !
Auch wenn teilweise darauf hingewiesen wird, dass sich "kontrolliertes Trinken" bei bestimmten Indikationen nicht realisieren lässt, kann es bei Betroffenen falsche Hoffnungen wecken.
Wir möchten mit dieser Aktion aufklären und Betroffene (insbesondere trockene, alkoholkranke Menschen) vor Versuchen mit "kontrolliertem Trinken" ausdrücklich und eindringlich warnen !

Was besagt die Theorie des "kontrollierten Trinkens" ?
Kontrolliertes Trinken heisst, den eigenen Alkoholkonsum nach einem zuvor festgelegten Trinkplan und nach bestimmten Regeln auszurichten.
Es ist ursprünglich für Menschen gedacht, die zwar viel Alkohol trinken, dabei aber (angeblich) nicht alkoholabhängig sind. In der Tat gibt es "Vieltrinker" ohne Suchtstruktur, jedoch ist diese Spezies weniger häufig vertreten. Da jedoch die Übergänge zwischen  Missbrauch, Abhängigkeit und Sucht fliessend sind, kann niemals mit Gewissheit festgelegt werden, wer das Prinzip "kontrolliertes Trinken" anwenden kann, und wer nicht.

Die Sache hat einen Haken !
Bei Betrachtung der einzelnen Phasen der Alkoholsucht ist das "Trinken nach einem bestimmten Schema" ein fast fester Bestandteil der so genannten kritischen Phase. In dieser Phase sind die Betroffenen jedoch bereits in ihrer Sucht gefangen. Nur Abstinenz könnte den Fortschritt der Alkoholkrankheit stoppen.

Warum "kontrolliertes Trinken" nicht funktionieren kann !
Viele Menschen können in Massen trinken - es heisst, sie können mit Alkohol umgehen. Sie trinken gelegentlich, verspüren kein Verlangen nach mehr Alkohol und haben auch keine Probleme, auf das Trinken zu verzichten. Wer jedoch einer selbst auferlegten, oder therapeutischen Kontrolle bedarf, hat bereits ein ernsthaftes Alkoholproblem !
Der Versuch "kontrolliert" zu trinken zeigt, dass zuvor ein Kontrollverlust eingetreten sein muss. Nun wird probiert, "kontrolliert" zu trinken, was aber zu keinerlei Befriedigung des Trinkverlangens führen kann, da die Betroffenen nicht mehr die Menge bekommen, die sie bräuchten, um sich wohlzufühlen.
Vergleichen wir es einmal damit: Man hat fürchterlichen Hunger, bekommt aber ein Salatblatt zugeteilt und soll damit satt und zufrieden sein.
Für die Betroffenen ist das "Kontrollierte Trinken" folglich mehr eine Qual, als ein Nutzen. Es werden Bedürfnisse geweckt, die nicht befriedigt werden. Es ist im Endeffekt also leichter, ganz auf Alkohol zu verzichten.

Der "kontrolliert trinkende" Alkoholkranke - eine tickende Zeitbombe !
Viele trockene Alkoholiker meinen, nach einer kürzeren oder längeren Abstinenzphase wieder mit Alkohol umgehen zu können. Nicht wenige verfallen durch Publikationen über "kontrolliertes Trinken" diesem Irrglauben.
Der Alkoholkranke versucht nun nach seinem oder einem vom Therapeuten empfohlenen, vorher festgelegten, Trinkschema Alkohol zu trinken. Erstaunlicherweise mag es bei dem einen oder anderen über einen gewissen Zeitraum funktionieren . aber die Zeitbombe tickt !
In den uns (zahlreich) bekannten Fällen wurde die zugestandene oder vereinbarte Alkoholmenge eigenmächtig nach und nach gesteigert. Am Ende wurde exzessiver als je zuvor getrunken.
Für uns sind derartige Experimente, "kontrolliert zu trinken", nichts anderes als schleichende Rückfälle. Anzumerken ist zudem, dass die Meisten, die sich in "kontrolliertem Trinken" versucht haben, binnen kürzester Zeit (ca. 2 bis 4 Wochen) wieder in ihr altes Trinkmuster zurückgefallen sind.

Uns ist kein Fall bekannt, in dem es jemand länger als ein Jahr geschafft hat !

FAZIT:
Wir warnen ausdrücklich davor, unter gegebenen Voraussetzungen "kontrolliertes Trinken" auszuprobieren !
Es ist unverantwortlich, dass Leute, von denen man eigentlich annehmen sollte, sie hätten die nötige Fachkenntnis, zu diesen gefährlichen Versuchen animieren.
Und, noch schlimmer, dies als therapeutische Massnahme verkaufen und sich so auf Kosten derer, die ihnen guten Glaubens vertrauen, bereichern.

Weitere Informationen finden Sie auf der Website "alkohol-hilfe.de".
 

Sie erreichen uns per eMail unter wolla.hebing@ish.de oder unter Tel. 02131 - 130308